Willkommen bei Delphintherapie für Larissa

Wie alles begann

Hallo, ich bin die kleine Larissa. Ich möchte euch hier mein turbulentes und aufregendes - manchmal nicht so schönes Leben vorstellen ... Larissa

Ich wurde am 25. November 2003 - es war ein sonniger Tag - geboren. Leider musste ich mit einem Kaiserschnitt aus meiner warmen Höhle ausziehen, weil ich einfach ein "riesen Brocken" war. Meine technischen Daten waren:
- 3780 Gramm
- 52 cm lang
- Kopfumfang 36 cm.
Larissa Ich war völlig gesund. Ich konnte laufen, noch bevor ich ein Jahr alt war. Ich ärgerte meinen Bruder Dominik sehr gerne. Am liebsten zog ich ihn an den Haaren. Kurzum - ich war eine richtig freche Kröte ... wie meine Mami mich heute immer noch oft nennt.

Bis zu dem Tag an dem sich ALLES änderte.

Es war der 19. Mai 2006 - gerade mal zweieinhalb Jahre konnte ich mein Leben ohne Handicap genießen. Ich war mit meiner Mami und meiner Oma in einem Cafè. Ich futterte der Mami die Äpfel aus dem Apfelstrudel heraus und mampfte die Sahne. Und vom Eiscafè stibitzte ich auch. Danach mussten wir noch was einkaufen. Mami stand an der Kasse und bezahlte. Oma hatte mich an der Hand, damit ich die Regale im Bastelgeschäft nicht ausräumen konnte. Wie gemein!

Ich sagte: "Mami, ich will zu dir!" Das waren meine letzten Worte - meine süße Stimme ein letztes mal benutzt. Mami antwortete: "Na dann komm halt zu mir ..."

Ich machte noch einen Schritt... dann bin ich einfach umgefallen. Zum Glück konnte Omi mich noch festhalten, damit ich nicht hart auf den Boden fiel. Ich musste am ganzen Körper zittern. Ich konnte nicht mehr atmen ... ich bekam ganz furchtbare Angst.

Meine Mami dachte erst, ich wäre zu müde zum Stehen oder Laufen. Aber tatsächlich ging es mir ganz furchtbar schlecht. Ich wurde ganz blass - grau...

Ganz schnell ließ Mami alles stehen und liegen - packte mich und lief mit mir direkt ins Nebenhaus, in dem sich eine Arztpraxis befindet. Ich habe mit meinen Beinen gezappelt, wie ein Hampelmann, den man am Schnürchen zieht. Meine Arme und Hände waren ganz steif und haben nur gezittert. Ich konnte immer schlechter atmen. Aus meinem Mund lief ganz viel Spucke. Mami hatte auch ganz furchtbare Angst.

Leider war nur noch die Sprechstundenhilfe in der Praxis. Es war ja, wie immer in solchen Momenten, später Freitag Nachmittag. Sie hat aber SOFORT den Notarzt gerufen. Der dann wirklich NUR 4 Minuten danach ankam. Meine Mami wurde immer von mir weg geschickt. Sie sollte im Wartezimmer warten.

Sofort stand fest, dass ich mit dem Hubschrauber in die Kinderklinik gebracht werden musste. Die Notärztin machte lauter komische Sachen mit mir - gab mir viele Medikamente... aber es half alles nichts. Ich bekam eine Nadel in die Hand. Mit einem Gummibeutel wurde mir Luft in die Lungen gedrückt. Einmal hatte ich noch die Kraft aufzuweinen. Dann schlief ich ein - aber dieses "Krampfen" ging einfach nicht weg.

Ganz schnell brachte man mich und meine Mami zum Hubschrauberlandeplatz. Der Hubschrauber-Notarzt legte mir dann einen Schlauch in den Hals, damit ich noch besser mit Sauerstoff versorgt werden konnte. Weil ich immer noch krampfte, gab mir der Doktor eine Narkose. Endlich ging es mir etwas besser. Diese schlimmen Krämpfe hörten auf.

Meine Mami durfte zum Glück mit dem Hubschrauber der "Gelben Engel" mit fliegen. Nach einer Weile wollte mein Herz nicht mehr schnell genug klopfen - gaaanz langsam bumperte das nur noch. Der Pilot setzte schon zu einer Not-Zwischenlandung an. Aber grade einen Meter über dem Boden ging es wieder besser. Der Schlauch in meinem Hals war verstopft, so dass ich wieder nur sehr wenig Luft bekam. Wieder wurden Medikamente in mich rein gefüllt.

Als wir dann am Dach der Klinik ankamen zeigte auf einmal dieses piepsende Monitording, dass ich keinen Herzschlag mehr hatte. Der Arzt drückte immer wieder ganz doll auf meinen Oberkörper. Meine Mami wurde schon wieder weg geschickt. Hier im Hubschrauber war es auch viel zu eng. Mami konnte nur noch weinen... Aber ganz schnell piepste diese Maschine wieder regelmäßig und mein Herzchen schlug wieder. Da war die Mami wirklich erleichtert. Jetzt wurde ich ganz schnell zur Intensivstation gefahren.

Ab dem Zeitpunkt schlug mein Herz wieder gut, und die Luft reichte mir auch wieder. Aber meine Mami sollte schon wieder nicht bei mir sein. Während die Ärzte mich nun untersuchten, musste sie zur Anmeldung und lästigen Papierkram erledigen. In so einem Moment hat man doch andere Sorgen... und ich brauchte doch meine Mami.

Keiner wusste, was mit mir los ist...

Nach vielen Untersuchungen und Pieksern in alle möglichen Stellen an meinem Körper waren die Ärzte einfach ratlos. Sie hatten keine Ahnung, was mir fehlt. Sie stellten eine Lungenentzündung fest, konnten sich aber nicht erklären woher diese kam. auf der Intensivstation

Am Wochenende passierte dann nicht wirklich viel. Ich war an einer Beatmungsmaschine angeschlossen, die ich aber nur unterstützend benötigte um die Lungenentzündung zu heilen. Immerhin brauchte ich keinen zusätzlichen Sauerstoff.

Am Montag wurde dann gleich ein MRT gemacht. Der Arzt meinte, es gäbe einen Entzündungsherd in meinem Gehirn. Aber woher diese angebliche Entzündung kam, darüber spekulierten sie nur, denn mein Blut war total in Ordnung. Auch die Rückenmarkspunktion brachte keine Erreger hervor. Ratlosigkeit war in allen Augen zu sehen. Vier Tage später wurde zur Kontrolle ein CT von meinem Kopf gemacht.

Das Ergebnis war sehr beängstigend. Die komplette Großhirnrinde sollte entzündet sein und die Liquorräume stark erweitert. Angst machte sich breit, dass der Hirndruck zu sehr ansteigen könnte und das Gehirn noch größeren Schaden nehmen. So wurde mit einer starken Cortisonbehandlung begonnen.

Ich musste ständig abgesaugt werden, weil ganz viel Schleim in meiner Lunge steckte. Ich konnte nicht viel, aber den Schleim konnte ich weg husten. Ich musste mich jedes mal fürchterlich aufregen, wenn vor lauter Husten mein Tubus verstopft wurde. Nach einer knappen Woche entschieden die Ärzte, dass sie diesen ekelhaften Schlauch aus meiner Luftröhre wieder heraus holen wollen. Das klappte zum Glück prima. Jetzt konnte ich abhusten ohne mich aufzuregen.

Etwa zur gleichen Zeit entschied man sich, verschiedene Medikamente abzusetzen, damit ich wieder aufwachen sollte. Aber ich entschied mich dafür in meiner Traumwelt zu bleiben.
Die Ärzte nannten das "apallisches Syndrom".

Es folgten weitere zahlreiche Untersuchungen. Immer wieder wurde Blut genommen, Stuhl- und Urinproben an alle möglichen Labors geschickt. EEG's mit niederschmetternden Ergebnissen gemacht. Meine Mami bekam keine Antworten darauf, warum es mir so schlecht geht. Ob die Ärzte es selbst nicht wussten, oder glaubten, dass Mami die Wahrheit nicht ertragen kann bleibt ein Rätsel.

Es geht aufwärts...

Es geht aufwärts Irgendwann öffnete ich zumindest die Augen. Aber wirklich reagieren konnte ich nicht. Nur beim Zähnchen putzen. Da stellte die Krankenschwester fest, dass ich die Zahnpasta versuche zu lutschen. Das fand sie super. Gleich wurde beschlossen, dass ich doch versuchen könnte einen Jogurt zu "essen". Die ersten Löffelchen - naja ... ein Löffel rein, und drei liefen wieder heraus. Ich konnte einfach nicht schlucken. Aber mit viel Training gelangen mir bald 20 bis 30 Gramm. Mami hat sich sehr gefreut.

Ganz langsam ging es mir etwas besser. Genauso wie auch das Wetter besser wurde. Das Pflegepersonal organisierte für mich einen Kinderwagen. Angeschlossen an einen kleinen Monitor durfte ich mit meiner Mami täglich einen kleinen Ausflug an die frische Luft machen. Das war wunderschön.

So nach und nach überlegte man, dass wir ganz schnell zu einer Frührehabilitation aufbrechen sollten. Nach fast endlosen 4 Wochen Intensivstation und 2 Tage normaler Kinderstation war es endlich so weit...

Am 21. Juni 2006 wurden wir in die Kinderklinik Schömberg verlegt.

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© Petra Löllgen