Willkommen bei Delphintherapie für Larissa

Frühreha in der Kinderklinik Schömberg

Die Reise nach Schömberg begann etwas chaotisch. Da schickte mir doch glatt die Zentrale für den Krankentransport einen Zivi mit einem alten klapprigen VW-Bus... ohne Klimaanlage. He, es hatte 30 Grad!!!
Die Ärztin konnte das aber noch in Ordnung bringen, so dass für die Fahrt letztendlich doch noch ein klimatisierter Rettungswagen mit Fahrer und Rettungsassistent organisiert werden konnte.

Der erste Eindruck der Klinik war nicht der Schönste. Da der Fahrer bisher noch nie bei dieser Klinik war, hat er doch tatsächlich die alte Zufahrt gewählt. So wurde ich durch den kompletten Altbau geschoben. Das war nicht so schön.
Endlich auf Station A angekommen, wurde ich auf mein Zimmer gebracht und Mami sollte schon wieder Papierkram erledigen gehen - bitte lass mich nicht alleine!!!
Die ersten Eindrücke schockierten meine Mami. So viele schlimm kranke, behinderte und zum Teil entstellte kleine Kinder! Und keines war älter als 5 oder 6 Jahre. Das war zu viel für Mami. Sie musste immer wieder dran denken, dass ich doch ein gesundes Kind bin und dass ich in dieser Klinik nicht richtig wäre. Aber beim genaueren Hinsehen stellte Mami nach einigen Tagen fest, dass ich sehr wohl hierher passte.


Wie viele andere Kinder lag auch ich meist nur teilnahmslos in meinem Bett. Sehr oft musste ich einfach schreien. Mein kleines Herzchen tuckerte ganz schnell. Ich starrte vor mich hin, ohne wirklich etwas anzusehen.
Nach und nach stellten sich die Krankenschwestern und Therapeuten vor, die für die nächste Zeit mit mir arbeiten sollten. Eine Physiotherapeutin, eine Ergotherapeutin und die Logopädin. Die Stationsärztin hat mich auch noch untersucht.


Nach einigen Tagen fing dann die Routine an. Ich wurde auf verschiedene Medikamente gegen alle möglichen "Wehwehchen" eingestellt. Jetzt musste ich auch jeden Tag irgendwelche Arbeiten erledigen. Mir wurde immer wieder gezeigt, wie ich mich bewegen muss. Die Logopädin versuchte mit mir Schlucken zu üben, damit ich bald wieder essen kann. Und die Ergotherapeutin wollte von mir, dass ich auf bestimmte Geräusche oder Gegenstände reagiere; das fand ich am allerschwierigsten.


Man brachte mir einen fahrbaren Untersatz: einen Rollstuhl mit einer Sitzschale in der ich gut sitzen konnte. So konnte meine Mami bald mit mir kleinere Runden um die Klinik drehen. Bald konnten wir bis zum nächsten Spielplatz fahren. Der war wirklich schön.
Da gab es sogar eine Tellerschaukel in die ich mich hineinlegen konnte. Nur musste das blöde Monitorteil immer mit. Ständig rutschte der rot leuchtende Sensor vom Finger und es gab Fehlalarme.
Da ich aber zunehmend stabiler wurde, konnten wir bald das lästige Ding tagsüber weg lassen.


Im Juli war dann ein Sommerfest. Das war mal eine schöne Abwechslung. Spielstraße, Basteln, Basar... Und abends gab's dann für die Mamis eine kleine Party mit Live-Musik, während die Schwestern auf uns Kinder aufgepasst haben.

Langsam machte ich kleinere Fortschrittchen.

Ich konnte immer größere Mengen essen. Trinken wurde angedickt und ich trainierte hart. Meine Mami ließ einfach nicht locker. Sie wehrte sich vehement dagegen, mir eine PEG legen zu lassen. Immer wieder geriet sie in heftige Diskussionen mit Arzt und Pflegepersonal. Aber wer hatte letztendlich recht? Meine Mami! Denn bereits bei meiner Entlassung aus Schömberg konnte ich die erforderliche Essensmenge zu mir nehmen. Und ich esse fast alles, nur püriert muss es sein. Prima, oder? Meine nasogastrale Magensonde brauchte ich also nur noch zum Trinken. "Da musst Du noch weiter üben!" sagte Mami immer zu mir.

Immer wieder kam mir bei meiner Arbeit etwas dazwischen. Zum Beispiel Infekte mit Husten und Schnupfen, so dass ich sogar Sauerstoff benötigte. Einmal ein Harnwegsinfekt, der ganz gemein war und ich sogar eine Infusion brauchte und somit für 5 Tage komplett ausgefallen bin.

Anfang Juli wurde mir Botox in die Muskeln meiner Arme und Beine gespritzt. Redressionsgipschen wurden angefertigt.

Meine Mami lernte auch viele andere Mamis kennen, die auch ein schlimm krankes Kind hatten. Sie war total schockiert über die Vielfalt der unterschiedlichen Krankheiten.

Ganz toll verstand sie sich mit der Ana. Das ist die Mama vom Fabio. Fabio und ich durften zusammen im Kindergarten sein. Das war eigentlich immer ganz nett. Gemeinsam kuscheln oder uns mit einem Laken frische Luft zuwedeln lassen oder im Rasierschaum matschen... Die Mädels hatten immer wieder was Neues auf Lager.


Nach etwa 8 Wochen musste Mami schon so langsam an unsere Entlassung denken. Eigentlich fanden die Ärzte und Therapeuten das nicht so toll. Sie meinten ich müsse noch eine ganze Weile bleiben. Aber ich habe ja einen großen Bruder, der in die erste Klasse kommen sollte. Und da musste Mami doch zuhause sein. Auch ich wollte Dominiks GROSSEN Tag nicht verpassen.

Also wurden meine Hilfsmittel beantragt: Ein Pflegebett, ein Rolli mit Sitzschale, ein Stehgerät, ein Therapiestuhl, Monitor, Sauerstoff usw. Leider konnten nicht alle Hilfsmittel bis zu meiner Entlassung fertiggestellt werden, so dass ich im Oktober noch einmal für zwei Wochen nach Schömberg kommen musste.

Meine Mami konnte von Schömberg aus auch gleich den Kinderpflegedienst "Malteser Hilfsdienst" aus Schwäbisch Gmünd organisieren. Herr Zobel (Der Chef-Malteser) besuchte uns noch in Schömberg, damit gleich am Tag nach unserer Entlassung eine qualifizierte Kinderkrankenschwester für mich da war. Das hat alles wunderbar geklappt.

Am 11. September 2006 durfte ich dann endlich mit Mami im eigenen Auto nachhause fahren.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei meinen Therapeuten "Logo-Silke", "Physio-Sabine", "Ergo-Silvia" und "Vojtha-Gretel", bei den Kindergarten-Damen, bei den Bezugsschwestern Sabine und Diana, sowie bei Frau Natalis bedanken.

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© Petra Löllgen