Willkommen bei Delphintherapie für Larissa

Delphintherapie 2010

Mehr Bilder und ein Video gibt es HIER

Endlich ist es so weit… wir können "Nägel mit Köpfen" machen und die lange ersehnte Delphintherapie planen. In den Sommerferien soll es los gehen.

Der erste Kontakt zum Therapiezentrum im CDTC auf Curacao war schnell hergestellt. Nachdem die Anmeldeformulare ausgefüllt waren und mein Kinderarzt eine Bescheinigung ausgestellt hatte, dass ich fit genug bin für so einen Ausflug, bekamen wir sehr schnell die Bestätigung, dass wir einen Therapieplatz für die Sommerferien bekommen. Oh, wie sehr haben wir uns alle dann gefreut.

Endlich durften wir im Reisebüro nachfragen, ob es noch Platz im Flugzeug und im Hotel gibt. Und ja, es war alles noch möglich. Jetzt musste nur noch die Fluggesellschaft angefragt werden, wie ich im Flugzeug sitzen kann und was für Bescheinigungen nötig sind, damit ich auch alle nötigen Hilfsmittel und Medikamente mitnehmen darf. Ganz toll war es, dass die Sitzeinheit meines Rollis genau auf den Flugzeugsitz passt. Somit brauchten wir nicht unseren Kinderautositz mit nehmen. Das Attest vom Kinderarzt wegen meiner Medikamente sollte in deutscher und englischer Sprache verfasst sein. Unser Reisebüro konnte sogar für mich püriertes Essen für die Flugzeit bestellen. Ein Behindertentransfer am Flughafen in Amsterdam fürs Umsteigen wurde auch bestellt. Sehr gute Arbeit von den Mitarbeitern des Reisebüros - die haben wirklich mitgedacht, obwohl sie noch nie so einen Fall hatten.

Das Reisefieber wurde immer schlimmer: was mitnehmen? was auf keinen Fall vergessen?
Und schließlich war es so weit.

Freitag am späten Abend ging es los. Mit dem vollgepackten Auto nach München zum Flughafen. Mein Onkel Gerhard hatte schon im Parkhaus reserviert, so dass wir nicht so weit bis zur Abflughalle laufen mussten. Es klappte alles wunderbar. Und schon durften wir ins Flugzeug einsteigen. Ganz als aller erstes, damit Mami meinen Sitz ohne Drängelei festmachen konnte. Wir waren alle total aufgeregt. Mein erstes Mal im Flugzeug. Hoffentlich geht alles gut. Es ist ja schon etwas anderes, wenn man fliegt, als wenn man mit dem Auto fährt. Sollte ich einen Anfall bekommen, wäre "am Boden" sehr schnell ein Arzt zur Stelle. So weit oben in der Luft aber eben nicht. --- Gemischte Gefühle zwischen Freude und Angst.

Die Zeit, bis wir in Amsterdam gelandet sind, ging total schnell vorbei.
Wir wussten, dass wir wenig Zeit zum Umsteigen hatten. Aber es sollte eigentlich alles reibungslos verlaufen.
Allerdings kam es dann doch anders. Beim Check-in in München wurde versäumt, dass das Untergestell von meinem Rolli gesondert gekennzeichnet wird. "Ramp delivery" sollte auf einem Anhänger stehen. Leider wurde dieser nicht angebracht und wir wussten das im Voraus nicht. Somit wurde das Fahrgestell direkt zum Anschlussflugzeug gebracht. Aber wir brauchten das doch zum Umsteigen. Nach scheinbar endlosen Minuten wurde es aber doch gebracht - welch ein Glück. Jetzt hieß es aber zacki zacki... Aber der Stress hörte noch nicht auf. Beim Zugang ins Flughafengebäude war die Türe nur zur Hälfte geöffnet - mein Rolli passte nicht durch. Schnell flitzte mein Onkel zurück zum Flugzeug um jemanden zu finden, der die Türe öffnet. Endlich auch diese Hürde geschafft im Laufschritt zum nächsten Gate, von dem wir weiter fliegen sollten. Und ich kann euch sagen... um an diesem wahnsinnig großen Flughafen zum Ausgang für den Weiterflug zu kommen, ist es ein sehr weiter Weg.
Das Gate war eigentlich schon geschlossen, wurde für uns aber zum Glück nochmal geöffnet. Völlig abgehetzt und schweißgebadet erreichten wir doch noch in letzter Sekunde unseren Anschlussflug.

Also als Tipp für alle, die in Amsterdam umsteigen müssen: 50 Minuten reichen NICHT aus!

Während des neunstündigen Fluges hatten wir genügend Zeit, um uns von dieser Hektik zu erholen. Die Verpflegung klappte hervorragend. Für mich wurden Babykostgläschen zur Verfügung gestellt. Das schmeckt mir zwar nicht wirklich, aber in der Not frisst der Teufel ja bekanntlich Fliegen. Und auf Curacao gibt es ja bestimmt wieder was Leckeres. Ich habe dann unterwegs recht viel geschlafen. Ist ja auch nicht so spannend in so einem Flugzeug. Mami, Dominik und Onkelchen vertrieben sich die Zeit mit Kartenspielen oder Filme gucken - und noch ein kleines Nickerchen zwischendurch. Und so vergingen auch die neun Stunden "wie im Flug".

Beim Aussteigen in Curacao klappte alles prima. Während der Zeit bis das Rolli-Untergestell beim Flugzeugausgang ankam, durfte Dominik ins obere Stockwerk vom Flugzeug. In die erste Klasse und ins Cockpit. Da hat er aber ganz schön gestaunt bei so vielen Knöpfen, Schaltern und Hebeln. Wir konnten schon ganz deutlich spüren, dass es außerhalb von Flugzeug und Gebäude ganz schön warm ist. Jetzt ging alles flott. Die Einreiseformalitäten waren schnell erledigt. Unsere Pässe bekamen einen hübschen Stempel. Unsere Koffer kamen auch recht schnell auf dem Gepäckband an. Beim Ausgang bildete sich eine lange Warteschlange. Einer der Mitarbeiter, die uns die Stempel in den Pass drückten, sah uns und ließ uns an allen anderen Leuten vorbei und wir kamen endlich wieder an die frische Luft. Naja, frische Luft ist nicht ganz richtig, nicht frisch, sondern heiß - stöhn!!!

Schnell haben wir unseren Flughafen-Transfer-Mann gefunden. Aber hoppla - da stand noch einer, der uns wollte. Wir hatten den Transfer vom Therapiezentrum gebucht, aber ganz vergessen, dass vom Reiseveranstalter ja auch einer im Ticket enthalten ist. Das war aber dann schnell geklärt. Jetzt noch warten, bis die anderen Mitfahrer in unserem Bus da waren. Die Koffer und Rollstühle wurden schnell in den Anhänger gepackt. Schon ging die Fahrt los. BOAH - Karibik total. Heiß, Sonne, Strand und Meer, mehr Meer, noch mehr Meer.
Die Fahrt zum Lions Dive & Beach Resort dauerte etwa eine halbe Stunde.
Beim Anmelden im Hotel verlief alles spitze. Mit einem kleinen Elektroauto, wie sie auf einem Golfplatz fahren, wurden wir mitsamt Gepäck zu unserem Zimmer gebracht.

Als erstes schälten wir uns aus unseren viel zu warmen Kleidungsstücken.
Gleich wurde das Zimmer inspiziert. Richtig toll... Küche mit allen Utensilien - Badezimmer - Dusche... und sage und schreibe DREI TV-Geräten. Mein Dominik fand das total "cool". Nicht mehr so cool war es dann, als er feststellen musste, dass nur holländisch oder "kauderwelsch" gesprochen wurde. Mami war total froh, denn somit stand fest, dass Dominik den TV nicht benützen würde HIHI.

Auf dem Schreibtisch lag eine Mappe bereit mit den ganzen Informationen des Therapiezentrums. Namen und Telefonnummern von Ärzten für den Notfall, Name des Therapeuten für mich und sogar meine Therapiezeiten. Wann und wo wir am Montag zu Therapiebeginn sein sollten. Also alles so toll organisiert, dass gar nichts mehr schief gehen konnte.

   




Dominik und Onkel Gerhard waren nicht mehr zu bremsen... wollten sofort den Pool ausprobieren, den wir von unserem Balkon aus komplett einsehen konnten. Ich wollte aber auch den Pool testen - es war soooooo ungewohnt heiß. Aber der Pool war auch nicht wirklich eine Abkühlung.


Ganz schnell ging der erste Tag zu Ende. Hier wird es viel schneller dunkel als in Deutschland. Und kaum dass die Dämmerung beginnt, kommen ganz viele blöde Moskitos und pieksen mich. Aber Mami hat sich ja vor unserer Abreise gut informiert und Insektenschutz besorgt, somit wurde ich nur selten gestochen.
Unser erstes Abendessen haben wir im Restaurant "Hemingway" gegessen. Das gehört zum Hotel und ist direkt am Strand. Die Tische und Stühle stehen im Sand unter den Palmen. Voll schööööön.
Völlig müde von den Anstrengungen des Tages sind wir in unsere Betten gefallen.

Frisch ausgeschlafen musste zuerst mal das Frühstücksbuffet studiert werden. Da war für jeden Geschmack was dabei.
Da das Buffet direkt am Strand aufgebaut war konnte Dominik gleich zwischen den einzelnen Teller-Füllungen das Meer ausprobieren. Er stellte fest, dass auch das Meerwasser ganz warm war.
Wieder Fehlanzeige in Sachen Abkühlung.

Nachdem unsere Bäuche alle voll waren, machten wir gleich mal einen Spaziergang zum Therapiezentrum, um zu sehen wo wir am nächsten Morgen hin mussten. Es sind ja nur fünf Minuten Fußweg bis dahin.

Und da schwammen sie... und guckten immer wieder frech aus dem Wasser... DELPHINE !!!!!

Wir konnten uns von dem Anblick fast nicht mehr trennen... oooohhhhhh wie schöööööön!!!

Aber es gab noch viel mehr zu entdecken... Das Therapiezentrum ist direkt mit dem Sea Aquarium verbunden. Natürlich waren wir total neugierig und haben uns den Meeres-Streichelzoo genau angeschaut. Da kann man Seesterne, Seeigel und Seegurken ganz nah beobachten, und in die Hand nehmen. Es gibt Flamingos, Schildkröten und sogar Haie. Und ganz viele verschiedene bunte Fische. Als wir schon wieder zurück zum Hotel wollten, haben wir noch gesehen wie ein Delphintrainer mit einem Delphin übte und immer wieder Fischleins zur Belohnung gab. Zum erstenmal konnten wir auch die Delphinsprache hören "fiepfieps - knatter - gacker - quiek" … klingt in echt ganz anders als im Film "Flipper".

Die Zeit verging wie im Flug. Schnell war es nachmittags und wir vergnügten uns wieder am Pool. Und zur Feier des Tages gönnten wir uns ein feines Abendessen im Restaurant "Nemo". Nur noch einmal schlafen und dann...

Nach einem reichhaltigen Frühstück ging es am Montagmorgen endlich los. Wir sollten schon eine halbe Stunde vor Beginn der Therapiezeit im Delphinzentrum sein.

 


Wir wurden von meiner Physiotherapeutin Mandy begrüßt.


Dominik wurde jetzt auch abgeholt, da er am Geschwisterprogramm teilnehmen wollte. Mit anderen Kindern ging er los ins Sea Aquarium. Jeden Tag stand für ihn etwas anderes auf dem Programm - aber jeden Tag war schnorcheln mit dabei.


Einmal durfte er dort sogar einen Hai streicheln...


Mami musste Mandy jetzt noch ganz viele Fragen beantworten und erzählen, wie ich so bin, was ich alles kann und was ich hier in den zwei Wochen lernen soll. Mann... die Spannung steigt - ich war ganz ungeduldig. Ich wollte doch einfach nur schnell ins Wasser.

Jetzt aber ging es endlich los...
Mandy nahm mich mit in einen Therapieraum zur Vorbereitung. Zusammen mit einer Praktikantin wurde ich erst mal genauer unter die Lupe genommen. Dann durfte ich das Badehöschen anziehen und einen dünnen Neoprenanzug mit kurzen Beinchen und Ärmelchen, damit ich trotz des warmen Wassers nicht frieren muss. So gerüstet gingen wir zum Dock, wo schon "MEIN" Therapiedelphin auf mich wartete. Es ist das noch junge Delphinmädchen "Chabelita". Ihre Spezialität sind die vielen verschiedenen Töne, die sie von sich geben kann. Das sollte mich dazu bringen, dass auch ich mehr lautieren würde.
Ganz langsam nahmen wir Kontakt zu einander auf. Zuerst stupste sie mich an den Füßen, die ich schon ins Wasser hängen durfte. Dann guckten wir uns an und ich durfte Chabelita streicheln. BOAH - wie die sich anfühlt. Grade so als würde einer von meinen Nicky-Schlafanzügen im warmen Wasser sein... so kuschelig und weich - und nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte... kalt und glitschig.
Mami und mein Onkelchen durften von der gegenüber liegenden Tribüne verfolgen, wie Chabelita und ich Freundschaft schlossen. Schnell war klar, ich muss gar keine Angst haben, obwohl Chabelita so groß ist. Aber ich bin ja von vornherein ein ganz mutiges Mädchen.
Jetzt bekam ich noch einen zusätzlichen Gurt um den Bauch geschnallt - wie einen Schwimmreif, nur ganz schmal. So konnte mich Mandy im Wasser besser halten und ich konnte nicht untergehen, da ich ja alleine nicht schwimmen kann.

 

Langsam gewöhnte ich mich an diese vielen neuen Eindrücke und ich wurde lockerer. So schwamm ich zusammen mit Mandy und Chabelita einfach so durchs angenehm warme Wasser. Ich musste mich an Chabelita's Rückenflosse halten und wurde gezogen. Dann durfte ich mich auf den Bauch von Chabelita legen während sie in Rückenschwimmen ihre Kreise zog. Bei der nächsten Runde wurde ich angeschoben, indem Chabelita's Mund gegen mein Füßchen oder meine Hand drückte. Diese Bewegungen im Wasser haben mir total gut gefallen.

Nun ging es nochmal raus aus dem Wasser und ich musste Übungen am Dock machen. Ich war aber schon ganz schön müde. Doch ich habe mich angestrengt und alles brav mit gemacht. Nach 15 Minuten durfte ich nochmal einige Runden durchs Wasser gleiten. Ach das tat alles so gut - ich konnte richtig gut entspannen. Zum Abschluss der ersten Therapieeinheit gab es sogar ein Küsschen von meiner Chabelita.

Schade, dass die zwei Stunden so schnell vorbei waren. Aber - ich durfte ja am nächsten Tag wieder mit meinen neuen Freundinnen ins Wasser. Jetzt aber schnell aus den nassen Klamotten raus, abtrocknen und gut mit Sonnencreme eincremen. Die Sonne ist doch viel viel stärker als zuhause. Frisch gestylt machte ich mich mit Mandy auf den Weg zu den Sitzgruppen wo Mami mich schon ganz sehnlich erwartete. Sie wollte doch wissen ob ich meine Arbeit auch gut gemacht habe.
Mandy war echt zufrieden mit mir. Nach einem kurzen Gespräch, wie die Einheit gelaufen ist, was gut war, was nicht so toll geklappt hat, wurde besprochen was am nächsten Tag auf dem Plan stand. PUH... ich glaube, das wird hier noch ganz schön anstrengend.

So allmählich machte sich auch Appetit bemerkbar. So gingen wir zu unserem Hotelzimmer und ich durfte einen großen Schoko-Muffin mit Banane essen.
Während ich gegessen habe ist mein Onkel zusammen mit Dominik zum Supermarkt gefahren um unseren Kühlschrank zu füllen. Sehr praktisch ist der Shuttle-Service vom Hotel. Der fährt zweimal am Tag zum Supermarkt und natürlich auch wieder zurück.
Der Rest des Nachmittags gehörte dem Pool, dem Balkon und den Büchern. Einfach die Ruhe genießen und sich erholen. Ich machte einfach ein kleines Nickerchen zwischendurch.

Am Abend fand noch ein Treffen in den "Dolphin Suites" - einem anderen Hotel gleich in der Nähe - statt. Es stellten sich alle Therapeuten und Praktikanten vor. Es gab einen kleinen Imbiss und etwas zu trinken. Wir konnten auch gleich andere Therapieteilnehmer dort kennen lernen und ein wenig plaudern.

 

Nach einem kleinen Absacker in der Strandbar "Hemingway" waren wir völlig KO von den vielen vielen Eindrücken des Tages.

Der nächste Tag begann schon etwas weniger aufregend. Wir fanden uns sehr schnell in der sehr großen Hotelanlage zurecht. Schon war es Routine die Teller beim Frühstücksbuffet zu beladen - die kleine Erfrischung im Meer direkt nach dem Frühstück...
Und für mich gleich um acht Uhr morgens - antreten zur nächsten Therapieeinheit.

Kurzes Vorgespräch mit Mandy, wie es mir denn gestern noch ging - schnell verschwinden im Therapieraum - umziehen - schnell ins Wasser und mit Chabelita kuscheln.
HAH - von wegen kuscheln... die hat mich doch einfach angespritzt gleich zur Begrüßung. Aber das hat mir sehr gefallen und ich bekam von Minute zu Minute ein immer breiteres Grinsen ins Gesicht. Ich fühlte mich pudelwohl, und die Mitarbeit bei der Therapie fiel mir zunehmend leichter.
Wieder musste ich eine kurze Wasserpause mit Übungen an Dock machen um dann zur Belohnung noch ein paar Runden mit Chabelita zu schwimmen und zu kuscheln.

Nachdem ich wieder meine Nachbehandlung im Therapieraum bekommen hatte, frisch geduscht, gecremt und umgezogen war gab es wieder das Nachgespräch über den Therapieverlauf.

Nach diesem Plan verlief nun jede weitere Therapieeinheit. Nur die Übungen im Wasser und am Dock änderten sich.
So sollte ich beispielsweise einen kleinen Ring werfen, den mir Chabelita zurückbringen sollte, ich von ihrer Schnauze herunter nehmen musste und wieder werfen.
Ähnlich machten wir es mit einem großen gelben Ball. Ich schubste den Ball weg und Chabelita war mein Ballmädchen.
Wenn mich Chabelita am Fuß durchs Wasser schob, musste ich versuchen mein Beinchen durch zu drücken. Das gelang mir jeden Tag besser.
Sobald mir Chabelita gegen die Handfläche schob, wurden ganz sanft meine Handgelenke und die Ellbogen gestreckt. Ich war plötzlich viel Lockerer und die Spastiken wurden leichter. Ich konnte immer mehr nachlassen und entspannen.
Und das Beste - ich versuchte teilweise selbst mein Köpfchen über Wasser zu halten. Und weil ich ja neugierig bin, versuchte ich auch mein Köpfchen seitlich zu drehen wenn ich es selbst hielt. Aber das ist mal so richtig anstrengend für mich.
An Dock saß ich manchmal auf einem Gymnastikball. Die Praktikantin hielt meine Beine fest und ich sollte versuchen Gewicht auf meine eigenen Füße zu bringen. Oh nein... das schaffe ich niemals...
Ich sollte lernen den Rücken im Sitzen zu strecken damit ich im Rumpf an Stabilität gewann. Ohhhh war das mühsam - es klappte einfach nicht.

Am dritten Therapietag durfte Dominik mich zum Dock begleiten und sollte zusammen mit der Delphintrainerin meiner Chabelita die Zeichen geben was sie zu tun hatte und natürlich für die gute Arbeit mit kleinen Fischleins zu belohnen.

Jeden Tag kamen wieder neue Übungen hinzu.
Nach ein paar Therapieeinheiten konnte ich plötzlich ganz viele neue Laute von mir geben. Und zwar so laut, dass man die Töne bis dahin hören konnte, von wo aus Mami mich immer gut beobachtete.

Wahnsinnig schnell verging die erste Therapiewoche. Jetzt durfte ich mich zwei Tage ausruhen und erholen.
Am Samstag drehte ich einfach mal den Spieß um und schickte Dominik zusammen mit Mami und Onkel Gerhard zu Chabelita ins Wasser. Die drei sollten auch mal so richtig spüren, wie sich meine Therapiefreundin anfühlt, denn ich kann es ja nicht erzählen...

Anschließend verbrachten wir einen faulen Rest-Samstag am Strand...
Aber ich muss euch noch was erzählen:
Ich ging zusammen mit Mami ins Meer zum planschen. Das war echt toll... aber ich vermisste etwas ganz doll. Ich wartete die ganze Zeit darauf, dass Chabelita kommt. Aber sie kam nicht - aber sie kommt doch jetzt JEDEN Tag wenn ich im Meer schwimmen darf. Aber sie kam einfach nicht...
Das machte mich total traurig und ich musste ganz doll weinen, als ich zusammen mit Mami wieder zurück zu unserem Liegestuhl im Schatten ging.

Für Sonntag hatten wir einen Ausflug geplant. Wir wollten mal an die Nordküste. Dazu hat Onkelchen ein Auto gemietet.
Ganz im Norden ist ein Stück Küste, wo das Meerwasser einen Durchgang in den Fels gespült hatte. Das mussten wir uns anschauen... wie eine natürlich entstandene Brücke sah das aus...

Aber es war dort ganz schön heiß... es gibt ja hier gar keine Bäume die für Schatten sorgen. Somit konnten wir nicht so sehr lange bleiben, obwohl es wirklich ganz toll war.
Auf dem Rückweg zum Hotel kamen wir noch an Salinen vorbei. Das sind spezielle Wasserbecken die mit Meerwasser geflutet werden und wider ausgetrocknet. So wird echtes Meersalz produziert. Hier leben auch ganz viele Flamingos. Die haben wir eine ganze Weile beobachtet.
Jetzt noch einen kleinen Abstecher nach Willemstad um die berühmte "Queen Emma Brücke" anzusehen. Die Brücke ist ganz was Besonderes. Da kann man zu Fuß gut drüber gehen. Aber wenn ein Schiff kommt, das zum Hafen möchte, muss die Brücke wie eine Türe aufgemacht werden. Wir überquerten die Brücke um zu einem netten Straßenkaffee zu kommen und das Öffnen und Schließen der Hafeneinfahrt zu beobachten.
Zurück im Hotel wollten wir eigentlich nur noch ins Wasser zum erfrischen. Und um den verbleibenden Sonntag am Strand ausklingen zu lassen.

Und schon begann die zweite Woche meiner Therapie, die eigentlich genauso ablief wie die vorhergehende. Wieder mit neuen mehr anstrengenderen Übungen, die ich meinen Fähigkeiten entsprechend erledigte.

Für Montagabend hatten wir noch eine Hafenrundfahrt mit dem Boot "Pelikan Express" gebucht. Am späten Nachmittag ging's los. Wir bekamen Getränke und kleine Fingerfood-Häppchen die sehr lecker schmeckten...
Es war echt lustig, wie für unser kleines Boot die "Queen Emma Brücke" geöffnet wurde und wir hindurch schipperten. Hatten wir doch gestern noch einen anderen Blickwinkel auf die Brücke - HIHI
Irre, wie groß diese Containerschiffe sind. Wir konnten sogar beobachten, wie diese entladen wurden. Einige lagen auf dem Trockendock, so dass man diese riesigen Schiffsschrauben sehen konnte - WOW!
Mit einem ganz tollen Sonnenuntergang im Rücken schipperten wir zurück zum Hotel...

Tag um Tag verging.
Leider war es viel zu schnell Freitag und meine letzte Therapieeinheit begann.
Aber heute zeigte ich es nochmal allen was ich kann. Ich lautierte alles, was mir einfiel. Ich meisterte alle meine Übungen mit links und die Übungen am Dock... Wahnsinn. Ich stemmte mich mal so richtig fest gegen den Boden dass ich für kurze Zeit all mein ganzes Gewicht auf meine eigenen Beine brachte. Mandy musste mich nur halten damit ich nicht das Gleichgewicht verlor.

Das Abschlussgespräch stand an...
Ich hatte viele kleine Fortschritte gemacht. Man versicherte meiner Mami, dass die Fortschritte wohl noch weiter gehen würden und sich zuhause während der folgenden Therapien festigen würden.
Ich lautierte viel mehr als vorher... und vor allem differenzierter. So dass Mami jetzt viel besser erkennen konnte wie meine Stimmung ist.
Ich hatte jetzt einen guten Ansatz Kopfkontrolle. Konnte kurze Zeit meinen Kopf selbst halten und sogar seitlich drehen, ohne dass er gleich nach vorne plumpst.
Ich konnte plötzlich viel besser meinen Rumpf stabil halten, dass ich nicht gleich mit einem Buckel zusammen sank.
Meine Arme waren VIEL VIEL lockerer, so dass mein Onkelchen mich jetzt "Relaxi-Hexi" nennt.
Und für mich und mein gesamten Umfeld das allerwichtigste: ich war einfach viel viel wacher, aufmerksamer und beobachtete alles um mich herum viel neugieriger.
Ach nein... das wichtigste war eigentlich, ich hatte Spaß und konnte nun endlich meine Freude zeigen, indem ich nicht nur mit Ton grinste, sondern sogar laute Kicherer machen konnte.

Alles in allem war die Therapie ein großer Erfolg!
Danke an die Therapeuten, Delphintrainer und Assistenten. Danke an das ganze Team des CDTC!

Und natürlich nicht zu vergessen: DANKE AN MEINE CHABELITA

Und eines stand auf jeden Fall fest... wir kommen wieder!!!!

Nach einem tränenreichen Abschied gingen wir in unser Hotelzimmer und begannen traurig unsere Köfferchen zu packen...

Der Rückflug verlief ohne weitere Komplikationen, da wir ja vom Hinflug gelernt hatten, welche Anhänger am Rolli sein mussten damit wir den direkt an die Flugzeugtüre geliefert bekommen.
Völlig müde kamen wir in München an... mit vielen tollen Erinnerungen in unseren Köpfen...

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© Petra Löllgen